Sicherheitsmanagement

Sinn und Zweck
Unter Sicherheitsmanagement versteht man das Führen, Lenken und Koordinieren einer bestimmten Organisationsgruppe hinsichtlich sämtlicher relevanter Sicherheitsaktivitäten.
Das Sicherheitsmanagement kommt in allen Branchen zum Tragen, in welchen ein Gefährdungspotential besteht. Eine Hauptursache von Arbeitsunfällen ist auf mangelnde betriebliche Organisation zurückzuführen. Bekannte Beispiele dessen sind etwa das Reaktorunglück von Tschernobyl 1986, Zugunfälle oder die Ölkatastrophe am Golf von Mexiko 2010. Diese Katastrophen sind als Schlüsselpunkte anzusehen, welche zu einem Umdenken mit Blick auf die Sicherheit führten. Zu den Aufgaben des modernen Sicherheitsmanagement-Systems (SMS) gehören das Leiten kommunikativer Prozesse, sowie das Lenken von Maßnahmen zur Verringerung sicherheitstechnischer Risiken und den Folgen menschlichen Versagens.

Bestandteile des Sicherheitsmanagement
Das breite Spektrum eines SMS kann in fünf Elemente unterteilt werden. Diese lauten:
– Sicherheitskonzept
– Sicherheitspolitik
– Sicherheitsanalyse
– Sicherheitserklärung
– Sicherheitsindikatoren.

Sicherheitskonzept
Das Sicherheitskonzept ist die Grundlage des Sicherheitsmanagement. Darin werden Gefährdungspotentiale ermittelt und Strategien zur Minimierung oder bestenfalls der Vermeidung dessen formuliert. Ziel des Konzeptes ist ein angestrebtes Sicherheitsniveau nach Plan realisieren zu können. Je nach Schutzobjekt oder Veranstaltung kommen verschiedene Maßnahmen in Frage. Dazu gehören bauliche, technische, organisatorische und verkehrstechnische Vorkehrungen.

Sicherheitskonzepte unterscheiden sich durch die jeweiligen Anforderungen des Auftraggebers, die örtlichen Gegebenheiten und die zur Verfügung stehenden Mittel. Die Grundlage aller Konzepte sind die Drei Säulen der Sicherheit: mechanischer Grundschutz, elektronische Überwachungseinrichtung und Organisation der Alarmverfolgung. Ein taugliches Sicherheitskonzeptist möglichst lückenfrei und schließt eine Notfall- und Katastrophenschutzplanung mit ein.

Sicherheitspolitik
Die Sicherheitspolitik steht in Einklang zu (inter)nationalen Gesetzen, Vorschriften und Richtlinien, sowie zum eigenen unternehmerischen Leitbild. Ziel der Sicherheitspolitik ist das Vermitteln der erarbeiteten Maßnahmen. Damit ein Konzept wirkungsvoll zum Tragen kommt, muss es von der Unternehmensführung und den Mitarbeitern verinnerlicht werden. Der Beschäftigte soll im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes und der Unfallverhütungsvorschriften auf ein korrektes Verhalten in Notfallsituationen geschult werden. So wäre das beste Brandschutzkonzept nur wenig effektiv, wenn die Personenevakuierung eines Gebäudes aufgrund mangelnder Kenntnisse planlos verlaufen würde.

Ein weiterer Aspekt der Sicherheitspolitik ist das Festlegen innerbetrieblicher Zuständigkeitsbereiche und das Unterscheiden von Verantwortungsbereichen zwischen Staat und Unternehmen. Im Dialog mit Politik und Verwaltung erörtert die betriebliche Sicherheitspolitik die unterschiedlichen Pflichten, welche Staat und Betrieb jeweils zu erbringen haben.

Sicherheitsanalyse
In der Sicherheitsanalyse wird ein Arbeitsprozess, eine Veranstaltung oder ein sonstiges Ereignis systematisch auf das Potential einer möglichen Gefährdung beurteilt.
Als Gefährdung wird ein Zustand beziehungsweise eine Situation gesehen, in der die Möglichkeit des Eintrittes von Gesundheitsschäden besteht. Der Mensch kann in einer solchen Situation verletzt werden oder erkranken. Für die Gefährdung grundsätzlich sind Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit irrelevant. In der Analyse werden sämtliche Gesundheits- und Sicherungsgefährdungen in Betracht gezogen, die den Arbeitnehmer am Arbeitsplatz beeinträchtigen können. Darüber hinaus werden Strategien zur Beseitigung dieser Probleme erarbeitet. Falls dies nicht möglich ist sollten Präventions- und Schutzmaßnahmen aufgestellt werden. Die verschiedenen Gefahren werden nach sogenannten Gefährdungsfaktoren geordnet und klassifiziert. In Gruppen wird nach gleichartigen Gefahrenquellen und Wirkungen unterteilt.

Folgende Arten der Gefährdung können am Arbeitsplatz auftreten:
1. Mechanische Gefährdungen
2. Elektrische Gefährdungen
3. Biologische Arbeitsstoffe
4. Gefahrstoffe
5. Brand- und Explosionsgefährdungen
6. Thermische Gefährdungen
7. Gefährdung durch spezielle physikalische Einwirkungen
8. Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen
9. Physische Belastung/Arbeitsschwere
10. Psychische Faktoren
11. Sonstige Gefährdungen

Sicherheitserklärung
Die Sicherheitserklärung beziehungsweise der Sicherheitsbericht muss bestimmte Angaben enthalten. Diese können folgendermaßen strukturiert werden:

– Teil A: textliche Erläuterung des betrieblichen SMS, der angestrebten Ziele und Strategien, um Anforderungen erfüllen zu können.
– Teil B: Darstellung vorhandener Regelungen und Anweisungen (beispielsweise mithilfe einer Tabelle).
– Teil C: Anhang (beigefügte Daten)

Sicherheitsindikatoren
Ein Grundprinzip des unternehmerischen Managements ist: man kann nichts managen, was nicht messbar ist. Sicherheitsindikatoren sollen daher Fakten schaffen. Ein solcher Indikator leitet sich aus der betrieblichen Erfahrung ab und gibt ein aussagekräftiges Bild über den Status der eigenen Sicherheit. So lässt sich aus der Zahl von Stör- und Unfallereignissen in einer bestimmten Zeit die Ausfallsicherheit einer Anlage feststellen. Im Fokus der Beurteilung steht auch die Trendverfolgung von Unfällen. Mithilfe der Unfallquote kann ermittelt werden, ob ein Lernprozess stattgefunden hat oder sich das Sicherheitssystem in einem bestimmten Zeitraum gar verschlechtert hat.

Durch Indikatoren wird die Leistung des Managements überprüfbar. Geringe Störfälle, regelmäßige Lehrgänge zum Thema Sicherheit, Einbeziehung der Mitarbeiter und das Erreichen festgelegter Ziele, geben Aufschluss auf eine gelungene Unternehmensführung.